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Arbeit 4.0 – drohende Prekarisierung oder ungeahntes Potenzial?

Arbeitnehmerverbände sprechen im Zuge der Industrie 4.0 von drohender Arbeitslosigkeit oder digitaler Prekarisierung. Doch wird die Zukunft für Arbeitnehmer in diesem Umfeld wirklich so düster oder eröffnen sich auch neue Möglichkeiten und Berufsbilder? Experten prognostizieren: Die Rolle des Mitarbeiters in der Produktion verschiebt sich, aber er wird nach wie vor eine Schlüsselrolle einnehmen. Welche personellen und strukturellen Weichen müssen Unternehmen im Sinne der Arbeit 4.0 stellen?

Seit dem Beginn der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hat es immer wieder gravierende Veränderungen der Berufsbilder und Tätigkeiten von Arbeitnehmern in Fabriken gegeben. Sie gingen zumeist einher mit neuen technologischen Verbesserungen und Prozessoptimierungen. Und immer waren solche Veränderungen zunächst auch begleitet von Zukunftsängsten oder auch von Ablehnung.

Die Industrie 4.0 bzw. die digitale Revolution bildet dabei keine Ausnahme. Seit Ende des 20. Jahrhunderts verändert sie den Alltag in Fabriken im Akkord und sorgt mit immer neuen Entwicklungen in immer kürzerer Abfolge für eine bis dahin ungekannte Schnelllebigkeit. Dass dies zu Verunsicherung seitens der Beschäftigten, aber auch in den Chefetagen führt, ist naturgegeben.

Digitalisierung schafft Beschäftigungsschub

Entgegen vieler Befürchtungen birgt die Digitalisierung ein ungeahntes Potenzial für Unternehmen und deren Mitarbeiter – dies besagt eine aktuelle Bitkom-Studie. Gemäß dieser Erhebung sorgt die Digitalisierung für einen enormen Beschäftigungsschub. Somit haben im Jahr 2017 die ITK-Anbieter mit 45.000 zusätzlichen Jobs ihren historisch stärksten Beschäftigungszuwachs innerhalb eines Jahres erzielt. Im Jahr 2018 soll sich dieses Wachstum laut Bitkom weiter fortsetzen.

Der Mitarbeiter wird gemäß Prognosen nicht wie befürchtet zum Handlanger der IT oder vollständig durch Automatisierungslösungen ersetzt. Vielmehr wird er zunehmend zum Entscheider. Er ist in der Lage, sensorische Lücken zu schließen sowie Ausnahmesituationen zu steuern und zu lösen. Dabei ergeben sich neue Möglichkeiten und Arbeitsplätze, beispielsweise in der Fabrikplanung, in der Systemauslegung und Systemanpassung bzw. im laufenden Betrieb.

Experten sind gefragt. So wird es beispielsweise Spezialisten für Cloud, für Big Data-Analytics, aber auch Security und vieles mehr geben. Denn die Industrie 4.0 ist keine ausschließlich technologische Entwicklung, sondern sie lebt von der aktiven Mitgestaltung, Kreativität und Entscheidungskompetenz.

Der Blog-Beitrag vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales beschreibt diese Entwicklung als Szenario menschenzentrierter Komplementarität. Danach bleibt der Mensch sowohl die gestaltende und entscheidende Autorität als auch der Erfahrungsträger, während seine Rolle im Arbeitsprozess durch smarte Werkzeuge und Assistenzsysteme aufgewertet wird. Diese neue Mitarbeiterrolle setzt allerdings ein entsprechendes Wissen voraus. 

Arbeit 4.0: Unternehmen müssen (sich) weiterbilden

Damit Arbeit 4.0 also funktionieren kann, müssen die Voraussetzungen dafür in den Unternehmen geschaffen werden. Die Basistechnologien sind verfügbar. Jedoch ist das Sozialgefüge in zahlreichen Unternehmen noch nicht ausreichend hierfür aufgestellt.

Das bestätigt auch unsere eigens durchgeführte Umfrage im Rahmen unseres jährlichen Anwender- und Partnertages. Danach gehen nur etwa 20 % der befragten Unternehmen davon aus, dass ihre Mitarbeiter schon jetzt ausreichend auf die Veränderungen vorbereitet sind, welche die smarte Fabrik mit sich bringen wird. Immerhin geben Dreiviertel der Befragten an, Ihre Mitarbeiter schon heute regelmäßig an Veranstaltungen zum Thema Industrie 4.0 teilnehmen zu lassen.

Der digitale Wandel erfordert auch auf Mitarbeiterseite hohe Reaktions- und Anpassungsfähigkeit. Eine derartige Entwicklung geht immer auch mit Respekt und Ängsten seitens der Mitarbeiter hervor. Diese stehen plötzlich vor der Herausforderung, in neuen automatisierten und überwachten Strukturen, die rein über Kommunikations- und Informationstechnologien gesteuert werden, arbeiten zu müssen. Viele sind mit dieser Art Technologien größtenteils (noch) nicht vertraut. Zudem gilt es, den immensen und zunehmend steigenden Datenmengen Herr zu werden. Dies kann schnell zu Überforderung und Abwehrhaltung führen.

Daher ist es essenziell, die Mitarbeiter so früh wie möglich mit den neuen Lösungen und Systemen vertraut zu machen und sie bereits vor einem Rollout in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Auf diese Weise können sie aktiv mitgestalten und ihre Erfahrungen in die neuen Technologien bzw. den Umgang damit übertragen. Wird gleichzeitig sichergestellt, dass sich die Mitarbeiter kontinuierlich weiterbilden, können alle Seiten vom Wandel der Produktionsarbeit profitieren. 

Der Weg zur Nutzung und zum Abschöpfen der Vorteile kann daher nur über eine entsprechende Informationspolitik und Umstrukturierung in der Organisation erfolgen. Es muss klare Prozessketten und Weiterbildungspläne geben, damit sich die durch die Technologien eröffneten Potenziale hinsichtlich Wertschöpfung und Effizienz voll entfalten können. Dabei gilt es für Unternehmen, die Vorzüge aller Generationen zu erkennen und davon zu partizipieren.

Erfahrung trifft Internet-Affinität

Erfolgsversprechend ist im Konstrukt der Arbeit 4.0 künftig das folgende Modell: Die Kombination aus der sehr wertvollen Erfahrung langjähriger älterer Mitarbeiter mit der Internet-Affinität der nachfolgenden Generationen, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind.

Insbesondere die Millennials bestimmen diese Entwicklung maßgeblich mit und können ältere Generationen im Zuge der digitalen Transformation unterstützen. Laut Statista gibt es in Deutschland rund 22 Millionen Millennials – Menschen, die aktuell zwischen 18 und 39 Jahre alt sind. Diese Generation gilt ebenfalls als Digital Natives, ist hochgradig vernetzt und nutzt digitale Medien als ganz natürliches, selbstverständliches Medium. Oftmals verwenden sie mehrere Informationsquellen gleichzeitig und beweisen sich im Multitasking. Sie sind einen schnellen Informationsaustausch gewohnt und können ihre Aufgaben an jedem Ort und zu jeder Zeit erledigen. Unabhängig vom gewählten Berufszweig legen sie in der Berufswelt insbesondere Wert auf Flexibilität, Weiterbildung und Sicherheit. 

Es muss daher neue Arbeitsformen geben, welche die Fähigkeiten und Ansprüche aller Generationen sinnvoll miteinander kombinieren. Dies gilt sowohl für produzierende Unternehmen als auch im Dienstleistungs-, IT- und Softwareentwicklungsbereich.

Unterstützende Tools wie APS-Systeme in der Arbeit 4.0

Um die Mitarbeiter in der täglichen Arbeit in den zunehmend digitalisierten Produktionsumgebungen zu unterstützen, empfehlen sich intelligente Technologien. Hierzu zählen beispielsweise Tools wie APS (Advanced Planning and Scheduling)-Systeme zur modernen Produktionsplanung. Denn eine intelligente Planung ist die Voraussetzung für eine funktionierende smarte Fabrik. Ohne Planung keine effizienten Abläufe, keine Datenauswertung und keine Analyse. 

Intelligente Software-Unterstützung zielt in erster Linie darauf ab, die Fachkräfte spürbar zu entlasten. Sie soll deren Handlungsbasis um nützliche und automatisierte Funktionen erweitern, um schneller und effektiver am Markt agieren zu können. Dabei sollen die Mitarbeiter die Geschicke nach wie vor eigenständig lenken können, ohne sie selbst ausführen zu müssen. Der Mitarbeiter wird also nicht ersetzt, sondern optimal in seinem Arbeitsalltag unterstützt. Er trifft in letzter Instanz die Entscheidungen. Der Computer kann zwar Automatismen ausführen, aber das Denken, Entscheiden und Handeln bleibt in menschlichen Händen. 

Dass die Kombination aus unterstützender Software und Know-how-Trägern tatsächlich funktioniert, zeigt das Beispiel eines Unternehmens aus Oettingen. Das Unternehmen plante seine Produktionsaufträge bis dato mit 2 Disponenten und einer Excel-Tabelle. Steigende Auftragszahlen brachten diese Vorgehensweise jedoch an ihre Grenzen. Daher wurde nach einer Software-Lösung gesucht, welche die Planung erleichtert und für mehr Transparenz in den Abläufen sorgt. Doch wie bewerkstelligen, wenn keiner der angestammten Mitarbeiter Erfahrungen in diesem Bereich aufweist oder Zeit für eine Recherche erübrigen kann?

Die Lösung fand sich schnell in Person eines Studenten der Produktionswirtschaft. Heute ist dieser Ex-Student Leiter der Abteilung Produktionsplanung und arbeitet mit den etablierten, langjährigen Mitarbeitern eng im Team zusammen. „Ohne die langjährige Erfahrung der Mitarbeiter zu den Abläufen, den Produkten und Abhängigkeiten wäre die Umstellung auf eine Software-gestützte Planung mittels einer APS-Software nicht möglich gewesen oder hätte unvergleichlich länger gedauert“, erläutert der Produktionsplaner und ergänzt: „Unser Erfolgsgeheimnis lag in der engen Zusammenarbeit und Abstimmung von vorhandenem und neuem Know-how.“

In dem KMU werden statt 20 Hauptmaschinen nun 180 Maschinen beplant. Durch den Einsatz dieser Industrie 4.0-Technologie ist das Unternehmen heute in der Lage, wesentlich mehr Aufträge in deutlich kürzerer Zeit zu bearbeiten und verbessert ganz nebenbei auch seine Termintreue und Transparenz gegenüber den Kunden. „Die Qualität der Planung ist seit dem Einsatz der APS-Software deutlich gestiegen und auch die Ansprüche der Kollegen und Kunden haben enorm zugenommen“, erläutert der Planer und meint: „mit dem Essen kommt eben der Appetit“.

Mensch und Maschine bedingen sich gegenseitig

Erst das Zusammenspiel des langjährigen Know-hows und der Erfahrungswerte mit den Software-basierenden Automatismen ergeben die ideale Lösung. Diese verantwortungsvolle Rolle des Menschen unterstreicht auch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Bei etwa 25 Prozent der Arbeitnehmer könnte ein Anteil von bis zu 70 Prozent der bisherigen Tätigkeit von Maschinen übernommen werden. Diese wiederum müssen jedoch überwacht und gesteuert werden, so dass sich zwar die Tätigkeit des Arbeitnehmers ändert, der Arbeitsplatz aber nicht wegfällt. Im Rahmen der Studie hat sich außerdem herausgestellt: Je höher die Qualifikation und der Bildungsgrad der Arbeitnehmer, umso weniger Tätigkeiten können durch Automaten und Computer übernommen werden.

Fazit: Die Arbeit 4.0 bietet ein hohes Potenzial für Unternehmen, wenn die Chancen richtig genutzt werden. Es ist bedeutend, die Mitarbeiter dahingehend zu sensibilisieren, dass der Industriestandort Deutschland nur mit einem hohen Automationsgrad langfristig erfolgreich sein kann. Ziel muss es dabei sein, Mitarbeiter nicht zu ersetzen, sondern sie mit intelligenten Industrie 4.0-Anwendungen wie APS-Systemen zu entlasten und zu unterstützen. Die Aufgaben verschieben sich – auch in den Chefetagen. Hierbei droht keine Prekarisierung, sondern eine Chance für alle Beteiligten.

Sie wollen den nächsten Schritt machen und suchen einen passenden Partner, um Ihre Produktion noch besser für die Industrie 4.0 auszurichten? Dann nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf. Mit über 300 realisierten Projekten in 25 Jahren und einem breit aufgestellten Partner-Netzwerk verhelfen DUALIS-Lösungen Unternehmen verschiedener Branchen zu höherer Wettbewerbsfähigkeit und verschaffen ihnen den entscheidenden Vorsprung im Zuge der Digitalen Transformation.

Dieser Beitrag wurde erstmalig am 06.02.2017 veröffentlicht und am 02.03.2018 überarbeitet.
Quelle Beitrags-Bild: Adobe Stock, von peshkova

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