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GANTTPLAN-Insights
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11. August 2025
ATP und CTP im Zusammenspiel mit einem APS-System: Wie GANTTPLAN APS verlässliche Lieferzusagen ermöglicht
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Mehr Verbindlichkeit in Ihren Lieferketten – weniger Stress in der Planung
In der heutigen Fertigungswelt sind verlässliche Aussagen zur Lieferfähigkeit entscheidend für Kundenzufriedenheit und Wettbewerbsfähigkeit. Zwei zentrale Konzepte, die Unternehmen dabei unterstützen, sind ATP (Available-to-Promise) und CTP (Capable-to-Promise). Während ATP klassischerweise im ERP-System angesiedelt ist und dort auf Basis von Lagerbeständen und offenen Bestellungen arbeitet, geht CTP einen entscheidenden Schritt weiter: Es ist eine Funktion des APS-Systems (Advanced Planning and Scheduling) und berücksichtigt zusätzlich die Opportunitäten in der Produktion.
ATP (Available-to-Promise) prüft, ob ein Produkt zum gewünschten Liefertermin auf Basis vorhandener Bestände und bereits geplanter Aufträge verfügbar ist.
CTP (Capable-to-Promise) geht einen Schritt weiter: Es berücksichtigt zusätzlich die Produktionskapazitäten und simuliert, ob und wann ein Produkt gefertigt werden kann – auch wenn es aktuell nicht auf Lager ist.

Beide Funktionen sind entscheidend, um Kundenanfragen zuverlässig zu beantworten, Liefertermine einzuhalten und Ressourcen effizient zu nutzen.
Dieser Artikel beleuchtet die Funktionsweise von ATP und CTP aus Nutzersicht und zeigt, wie das APS-System GANTTPLAN APS diese Funktionen intelligent integriert.
ATP – Verfügbarkeit im Blick
Die ATP-Prüfung ist ein etabliertes Werkzeug in ERP-Systemen. Sie prüft, ob ein Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt lieferbar ist – basierend auf vorhandenen Lagerbeständen, offenen Bestellungen und bereits geplanten Fertigungsaufträgen. Dabei erfolgt die Prüfung ohne Berücksichtigung von Kapazitäten wie Maschinenverfügbarkeit oder Personalressourcen. Das bedeutet: Ein Auftrag kann als verfügbar gelten, obwohl die tatsächliche Fertigungskapazität fehlt.
ATP (Available-to-Promise) bezeichnet die verfügbare Menge eines Produkts, die einem Kunden verbindlich zugesagt werden kann – unter Berücksichtigung von:
- Lagerbeständen
- Offenen Bestellungen
- Geplanten Fertigungsaufträgen
- Reservierungen für andere Kundenaufträge
Die ATP-Prüfung erfolgt zeitpunktbezogen und prüft, ob ein Produkt zu einem bestimmten Termin verfügbar ist. Dabei wird nicht die tatsächliche Produktionskapazität berücksichtigt – also keine Maschinenverfügbarkeit, keine Personalressourcen.
Logik hinter der ATP-Prüfung
Die Prüfung basiert auf einer Nettoverfügbarkeitsrechnung:
ATP=(Lagerbestand + geplante Zugänge) − (Reservierungen + offene Bedarfe)
Dabei können verschiedene Strategien zur Anwendung kommen:
- Push-Strategie: Verfügbarkeiten werden automatisch verteilt.
- Pull-Strategie: Verfügbarkeiten werden auf Anfrage geprüft.
- First-Come-First-Serve: Reihenfolge der Aufträge entscheidet über Zuteilung.
Grenzen der ATP-Prüfung an einem Beispiel:
Ein Auftrag wird als „verfügbar“ angezeigt, weil Material und geplante Fertigung vorhanden sind – obwohl die Maschine zur Produktion defekt ist oder Personal fehlt.
CTP – Wäre ich am Tag X lieferfähig?
Trotz ihrer weiten Verbreitung stößt die klassische ATP-Prüfung in ERP-Systemen an ihre Grenzen. Sie berücksichtigt ausschließlich die Materialverfügbarkeit und blendet dabei entscheidende Faktoren wie Maschinenkapazitäten oder Personalressourcen aus. Diese fehlende Kapazitätsprüfung kann dazu führen, dass Aufträge als verfügbar gelten, obwohl die tatsächliche Produktion nicht realisierbar ist.
Zudem basiert die ATP-Logik auf einer statischen Sichtweise, wodurch kurzfristige Änderungen in der Fertigung oder Lieferkette nicht dynamisch einfließen. In komplexen Systemlandschaften besteht darüber hinaus ein erhöhtes Risiko von Überbuchungen, insbesondere wenn mehrere Systeme oder manuelle Eingriffe parallel agieren.
CTP (Capable-to-Promise) erweitert die klassische ATP-Prüfung um einen entscheidenden Faktor: die Produktionskapazität. Während ATP lediglich prüft, ob Material verfügbar ist, geht CTP einen Schritt weiter und analysiert zusätzlich, ob und wann ein Produkt tatsächlich gefertigt werden kann. Dabei werden folgende Aspekte berücksichtigt:
- Materialverfügbarkeit
- Maschinenkapazitäten
- Personalressourcen
- Produktionsplänen
Die CTP-Prüfung kombiniert Material- und Kapazitätsprüfung in einem integrierten Prozess. Sie simuliert dabei die tatsächliche Produktionsfähigkeit eines Unternehmens und kann, falls nötig, automatisch neue Fertigungsaufträge oder Umlagerungen vorschlagen, um einen Kundenauftrag zu erfüllen.
Logik hinter der CTP-Prüfung
Die CTP-Prüfung basiert auf einer dynamischen Planungssicht. Sie greift auf Produktionsplanungssysteme (z. B. APS – Advanced Planning and Scheduling) zu und berücksichtigt:
- Verfügbare Kapazitäten (Maschinenlaufzeiten, Schichten, Wartungsfenster)
- Produktionsrouten und -zeiten
- Materialflüsse und Lieferzeiten
CTP überzeugt – an einem Beispiel erklärt:
Ein Kunde bestellt ein Produkt, das aktuell nicht auf Lager ist. Die CTP-Prüfung erkennt, dass sowohl Material als auch Maschinenzeit in drei Tagen verfügbar sind – und gibt diesen Termin als realistische Lieferzusage zurück.
Wie GANTTPLAN CTP appliziert
In GANTTPLAN APS wird die CTP-Prüfung über sogenannte Simulationsaufträge oder Zusatzanfragen realisiert. Diese Funktion funktioniert wie folgt:
- Anfrage aus dem ERP-System: Das ERP sendet eine Anfrage an GANTTPLAN APS – mit der Frage: „Wann kann dieser Auftrag frühestens fertig sein?“
- Simulative Einplanung in GANTTPLAN: Zu Beginn der simulativen Einplanung führt GANTTPLAN APS einen MRP-Lauf durch. Dabei werden Wiederbeschaffungszeiten, Lagerbestände und weitere relevante Faktoren berücksichtigt, um eine belastbare Terminplanung zu ermöglichen. Anschließend erfolgt die Einplanung des Auftrags unter Berücksichtigung von Materialverfügbarkeit und Produktionskapazitäten.
- Rückmeldung an das ERP: Das ermittelte Fertigstellungsdatum wird an das ERP zurückgegeben und dort in den Kundenauftrag übernommen.
- MRP-Lauf im ERP bzw. GANTTPLAN APS: Anschließend wird im ERP (zur Beschleunigung des Prozesses alternativ auch in GANTTPLAN APS) ein erneuter Materialbedarfsplanungslauf (MRP) durchgeführt, der auf dem simulierten Fertigstellungstermin basiert. Das Ergebnis dieses Laufs – also die geplanten Bedarfe und Bestellungen – wird wiederum an GANTTPLAN APS zurückgespielt.
- Verbindliche Einplanung: GANTTPLAN übernimmt die aktualisierten Daten und kann den Auftrag nun verbindlich einplanen, da sowohl Materialverfügbarkeit als auch Kapazitäten geprüft wurden.
Dieser Prozess stellt sicher, dass CTP-Prüfungen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch belastbar sind – und das in enger Verzahnung mit dem ERP-System.
CTP statt ATP: Echtzeitplanung mit GANTTPLAN
- Realistische Lieferzusagen durch Berücksichtigung von Produktionskapazitäten
- Höhere Termintreue und Kundenzufriedenheit
- Optimierte Ressourcennutzung in Produktion und Logistik
- Reduzierung von Überbuchungen und Engpässen
Zusatzanfragen: Flexibilität für kurzfristige Kundenwünsche
Die in GANTTPLAN integrierten Zusatzanfragen sind ein zentrales Werkzeug für die Umsetzung von CTP-Szenarien. Sie ermöglichen es, zusätzliche Fertigungsaufträge flexibel in den Produktionsplan zu integrieren, ohne die bereits in der Planungspipeline befindlichen Aufträge zu stören.
Es gibt zwei Typen von Zusatzanfragen:
- Ohne Termin: Zusätzliche Fertigungsaufträge werden in freie Kapazitäten eingeplant, sobald höher priorisierte Aufträge verarbeitet sind.
- Mit Termin: Für zusätzliche Fertigungsaufträge wird versucht, den gewünschten Liefertermin möglichst genau zu treffen – trotz nachrangiger Priorität.
Fazit: GANTTPLAN verbindet Planung mit Verlässlichkeit
Die Kombination aus automatisierter ATP-Prüfung und simulationsgestützter CTP-Funktion mit MRP-Rückkopplung macht GANTTPLAN zu einem leistungsstarken Werkzeug für Unternehmen, die ihre Lieferfähigkeit verbessern, Kosten senken und Planungssicherheit erhöhen wollen.